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Denn Sie wissen nicht, was sie tun…?

Als geschätzter, heimischer Kunde & Leser unseres Gazzettino’s, nehmen Sie womöglich unseren Saison Titel als gar nicht verwirrend wahr – finden wir doch aktuell eine Welt vor, die im Grunde allen logischen und traditionellen Vorstellungen eines intakten Miteinanders zuwiderläuft!

Bereits seit einem Jahr ist unser Leben von der Pandemie gezeichnet. Die selbstverständlichsten Dinge haben sich verändert und stellen weiterhin neue Anforderungen an uns.

Woher nehmen wir die Courage und die Inspiration diesem Zustand die Stirn zu bieten? Was ist passiert mit den Apologeten von Kultur, Gemeinwohl, Tugend, Moral & Weltgewandtheit? Wohin verschwinden die uns so wichtigen Werte im Umgang miteinander, wie Vernunft, Dialektik, Neugier, Handlungsstärke und Galanterie? Was ist mit dem Sinn für das Schöne im Leben geworden, wohin entwickelt sich der Sinn für stilechte Bekleidung?

Diesen Fragen haben sich bereits einige Schriftsteller gestellt; von Ayn Rand bis Verlaine und Camus, von Lord Byron bis Brecht und Mann - sie allesamt pflegten einen eigenen Umgang mit Wertesystemen, ihrem Entstehen sowie ihrem Verschwinden.

Traditionell (und tendenziell) ist der Umgang mit diesen Fragen, bei jedem einzelnen von ihnen invertiert gewesen - und das ist auch gut so, denn schon Aurelius wusste „Alles was wir sehen ist eine Perspektive, keine Wahrheit.

Um so interessanter ist es, sich die polarisierenden Meinungen anzuschauen, insbesondere wenn diese retrospektiv dem damaligen Zeitgeist weit Voraus waren. Es sind Meinungen, Ansichten oder Fragen, die es vermögen noch heute unser Wertesystem in Frage zu stellen - nicht um es anzupassen, nicht um eine neue Wahrheit zu finden, sondern vielmehr um den eigenen Horizont und womöglich gar das eigene platonische Ideal zu erweitern.


So führte Ayn Rand mit ihren Büchern „Atlas Shrugged“ + „The Fountainhead“ (Sehenswert mit Gary Cooper verfilmt) wie kaum ein anderer Schriftsteller zuvor vor, dass Romane oder Erzählungen in der Lage sind, gegenläufige Wertesysteme literarisch zu hinterfragen und neue Ideen bzw. Systeme erzählerisch zu plausibilisieren.

Ohne dabei zu tief in die Gedankengänge des, von ihr propagierten, Objektivismus - der bis heute kontrovers diskutiert wird - einzugehen, finden wir in Ihren Romanen einige zentrale Fragen, die sich im Kontext des Zeitgeistes nahezu perfekt manifestieren: Wie würde eine Welt aussehen, wo sich nicht nur die Leistungsträger, frustriert vom Zeitgeschehen, verabschieden, sich von der Welt abwenden und unversehens verschwinden?

Wie würde eine Welt aussehen, wo Wege anders zu Denken und zu handeln nicht mehr akzeptiert werden und die öffentliche Konformität und der damit einhergehende Trieb zum „Status Quo“ Verwalten ein unerkanntes Ausmaß erreicht? Wo bleiben die bahnbrechenden Ideen und die Individualität des Denkens, die uns erst zu Menschen machten?

Letzte Saison sprachen wir über Leader aus vergangenen Epochen, die uns heute mehr denn je fehlen. Doch wie finden wir aus dieser Situation heraus? Wie finden wir vor dem Hintergrund unserer saisonalen Frage ein neues raison d’être?

Indem wir uns auf die tiefergehende Suche nach dem eigenen platonischen Ideal aufmachen, auf die Suche nach der eigenen Weltauffassung sowie der eigenen Identität (und so womöglich am Ende selbst zum Leader avancieren, falls wir es nicht bereits sind).

Hierbei begleitet uns die Prämisse „Do Your Own Thing“ und der Beginn der Suche fängt, wie könnte es denn anders sein, bei einer der schönsten Nebensachen der Welt an: Der Architektur!

Architekten des Stils

Architektur ist ein fließendes Medium, das Philosophie, Stil, Kreativität und Freiheit des Ausdrucks umfasst. Die Vertreter dieses Handwerks schaffen nahezu mühelos die Säulen der Zivilisation zu durchqueren sowie diese auf wundersame Art zu festigen – und geben, wenn genau hingeschaut wird, Hinweise darauf, wie ein jeder seinen eigenen, unverwechselbaren Stil und seine Daseinsberechtigung finden und etablieren kann.

Le Mépris - Die Vermählung von Architektur und Kino

Bei der Veröffentlichung des Magnum Opus des Nouvelle Vague-Kinos, Le Mépris, war der Name des Regisseurs Jean-Luc Godard in aller Munde.  Sein Film ist im Grunde die Geschichte einer Ehe vor der Kulisse der Insel Capri, die in einem der vielleicht schönsten Beispiele zeitgenössischer italienischer Architektur, der Villa Malaparte, angesiedelt ist.

Der Film fängt eine betörende Brigitte Bardot in ihrer stärksten und oft auch nacktesten Form ein. Als er 1964 von Francois Chalais für Cinepanorama interviewt wurde, wurde Godard über den häufigen Einsatz von Nacktheit in Le Mépris befragt. In seiner Antwort weist Godard die prüde Frage von Herrn Chalais mit dem für ihn typischen performativen Witz zurück: "Das ist, als würde man Praxiteles fragen, als er die nackte Venus modellierte: "Hat Venus zugestimmt, sich auszuziehen?"

Falls in diesem Film dennoch Kleidung getragen wurde, versteht es sich von selbst, dass die Auswahl der Garderobe tadellos stilvoll war. Michel Piccoli und Jack Palance warten mit einer nahezu meisterhaften Sommergarderobe auf – so sehr, dass wir es für angemessen hielten, sie beim Kuratieren unserer neuesten Frühjahr/Sommer-Kollektion vor Augen zu haben.

Was wird in der Villa Malaparte getragen? 

Seitdem die berühmte Residenz in Le Mépris zu sehen war, wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt und sie ist heute nur noch für kulturelle Veranstaltungen geöffnet. Wenn Sie eine Einladung zu einem Besuch erhalten, sollten Sie Ihre eigene Individualität entfalten und sich dem Anlass und dem Ort entsprechend kleiden.

Dürfen wir Ihnen einen locker gebundenen Sommerschal empfehlen, der Ihre von Hemingway inspirierte Safarijacke, vor dem Hintergrund der Azurit schimmernden Küste Kampaniens, perfekt ergänzt?

Wenn Sie jedoch mit einer Riva Super Ariston im Gunter-Sachs-Stil anreisen, wäre das einzig angemessene Ensemble ein Sisal-Sommerhut, ein paar Badeshorts mit aufgestickten „Lobstern“ und sonst nichts weiter. Klingt wie ein berühmtes Foto von Slim Aarons, oder?

An dieser Stelle möchten wir Sie - liebe Kunden - daran erinnern, dass Herr Sachs seiner zweiten Frau Brigitte Bardot erfolgreich den Hof machte, indem er aus dem Cockpit eines Hubschraubers hunderte von Rosen auf das Dach ihrer Villa fallen ließ. Wir wetten, dass er bei dieser Mission eine A1 Bomberjacke aus leichtem Wildleder trug - passend zu verlorenen gegangen Tugenden wie Mut und Furchtlosigkeit! Alles gute Eigenschaften bei einem Mann, und noch besser als die Tugend einer stilechten Garderobe.

Die unerschütterliche Vision des Architekten 

Le Corbusier hat einmal gesagt: "Seine Seele zu verkaufen, ist die einfachste Sache der Welt.“  

Gary Coopers berühmte Darstellung des individualistischen Howard Roark in The Fountainhead erinnert uns daran, künstlerische Wege zu akzeptieren und öffentliche Konformität abzulehnen – eben ohne die eigene Seele zu verraten!

Erinnern wir uns; bahnbrechende Ideen und Individualität werden nicht durch Kollektivismus oder dem Folgen der breiten Masse geboren.

Die gleiche Selbstständigkeit und Integrität des Denkens sollte gewinnbringend eingesetzt werden, wenn Sie eine einzigartige Vision für Ihre Garderobe in Betracht ziehen.

Überdenken Sie Ihre Entscheidungsfindung und ziehen Sie die Möglichkeit in Betracht, dass Denim tatsächlich eine hervorragende Stoffwahl für eine Sportjacke ist, sofern sie ihr inneres Ich widerspiegelt. Lassen Sie sich wie ein Architekt von Ihrer natürlichen Umgebung inspirieren. 

Das alles soll heißen; es gibt keine Blaupause, kein Regelbuch und keine Landkarte, um einen distinguierten (und eigenen) Stil zu etablieren. Diese Landkarte müssen Sie schon selbst schreiben - und beim Schreiben einer solchen, werden auch Sie sich hier und da evtl. Verlaufen. Aber seien Sie ganz unbesorgt, beim Schaffen von wirklich „Neuem“ gehört genau das dazu.

Generell sollten Sie bei jeder Art von Entscheidungsfindung, ob bei Kleidung oder anderen Dingen, immer den Anweisungen Ihres wichtigsten Kunden folgen: Ihnen selbst.

Zum Schluss ein Auszug aus dem bereits erwähnten Film mit Gary Cooper als leuchtendes Beispiel dafür, wie man(n) seine Seele eben nicht verkauft - Film ab!